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Schiller in Berlin: Kirschblüten, Eiseskälte und Mittagsonne

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  • Beitrag veröffentlicht:14. April 2024

Montagmittag und der Zug kommt zum Stehen, viele neue Eindrücke verschafft uns bereits der Berliner Hauptbahnhof, mit seinem offenen Glasdach. Das Hotel, ein wunderschöner Altbau, liegt nicht weit entfernt, zentral in einer der wohlhabendsten Gegenden Berlins, in Charlottenburg. Die Zimmer sind gut ausgestattet und während einer kurzen Pause, in der wir unser Gepäck verstauen, bleibt auch noch etwas Zeit, um die Gegend zu erkunden. Mittag- und Abendessen müssen wir uns selbst besorgen, was jedoch die Woche über kein Problem darstellt, da das Angebot in Berlin sehr groß ist. Nach einer kleinen Stärkung geht es weiter mit einer eisigen Stadtführung durch Berlinmitte. Auf die wechselnden Wetterbedingungen ist jedoch keiner vorbereitet. Wo am Mittag noch die Sonne schien, herrschen jetzt einstellige Temperaturen. Zwei Stunden quälen sich alle durch die Kälte, bis wir endlich unser Ziel, das Brandenburger Tor, erreichen. Trotz der Kälte ist die Führung sehr informativ gewesen und hat bereits einen umfangreichen Überblick über Berlin geboten. Durchgefroren und erschöpft wird noch schnell etwas Warmes zu essen geholt und zusammen auf dem Bett unseres Hotelzimmers gegessen. Lachen sind die letzten Worte das Tages.

Nach einem kurzen Frühstück beim Frühstücksbuffet des Hotels geht es mit der Berliner Metro zum Jüdischen Museum, wo wir mit einer ausgiebigen Führung begrüßt werden. Auf andere Gedanken bringt uns die darauf folgende Bunkertour in der Berliner Unterwelt. Dreihundert Treppen in die Tiefe werden wir durch ein Labyrinth aus Tunneln geführt. Durch alte Schleusen, neben U-Bahn Linien und in Schutzräumen werden uns die Komponenten eines Bunkeraufenthaltes überaus dramatisch vermittelt. Nachdenklich und gleichzeitig fasziniert geht es wieder hinauf in gewohnte Umgebungen. Die freie Zeit nutzten wir, um zu viert eine Pizza in einem schönen kleinen Italiener zu essen, bis wir alle zusammen wieder losfahren, um gemeinsam ein Improvisationstheater zu besuchen. Die Vorstellung war sehr unterhaltsam und lustig, sodass die Zeit schnell umgeht und wir kurz darauf schon wieder müde ins Bett fallen.

Die wenigen Stunden Schlaf, die uns bleiben, müssen möglichst gut genutzt werden, da wir am Mittwoch schon um 6:30 Uhr das Hotel verlassen, um pünktlich bei unserer Tour durch den deutschen Bundestag sein zu können. Wir haben die Ehre Nadine Ruf, eine Bundestagsabgeordnete, der wir unsere Fragen stellen dürfen, kennenzulernen. Später können wir noch einige Sonnenstrahlen durch die mächtige Bundestagskuppel tanken und in den blauen Himmel über Berlin starren. Unsere Augen bleiben weit geöffnet, wenn wir durch die Pforten des gigantischen Olympiastadions treten. Unbesucht kann man die Atmosphäre des Stadions fast als friedlich, eine Erfahrung, die man vielleicht eher selten macht, bezeichnen. Man bekommt erstmals einen Einblick hinter die Kulissen eines Stadions, das Backstage der Sportler. Unter der Nachmittagssonne wird uns auch die beeindruckende und jahrzehntelang zurückliegende Geschichte des Kolosseum ähnlichen Steingebäudes vermittelt.

Nach der Führung bricht die erste für uns längere freie Zeit an, die wir nutzen, um in einer kleinen Gruppe weitere Teile Berlins zu erkunden und unseren persönlichen Interessen nachzugehen. Bis zum Abend wird zusammen der Hackesche Markt, wo wir auch etwas shoppen und uns ausgefallene Zimtschneckensorten teilen; das riesige Gelände der Berliner Charité, ein über 300 Jahre altes und sehr berühmtes deutsches Krankenhaus, besucht, Postkarten verschickt, Souvenirs gekauft und erneut die Museumsinsel erkundet und einfach eine schöne Zeit mit den engsten Freunden verbracht.

Der Donnerstag startet wieder früh und diesmal regnerisch. Komplett durchnässt kommen wir bei unserem ersten Programmpunkt, dem Tränenpalast, eine ehemalige Ausreisestelle aus der DDR nach Westen, an. Dort bereichert uns und eine weitere Führung über die verworrene und umfangreiche Geschichte Berlins, wobei die Ausstellung gleichzeitig Einblicke in den Alltag der damals lebenden Menschen bietet. Nach circa 2 Stunden brechen unsere letzten frei gestaltbaren Stunden in Berlin an. Vom Tränenpalast aus geht es also direkt weiter, erneut zum Hackeschen Markt, um dort in der Nachgewittersonne durch die kleinen Gassen und Höfe zu schlendern. , schlängelt sich ein bezauberndes Labyrinth durch die schmalen Hausspalten. Einige Straßen weiter entdecken wir auch noch einen atemberaubend traumhaften Hinterhof, mit einem kleinen Berliner Café, in dem wir ein frisches Gebäck teilen. Nach ein bisschen Bummeln auf dem Markt und etwas geteiltem Streetfood müssen wir uns schon wieder auf dem Weg zu unserem nächsten Treffpunkt machen. Die letzte Führung unserer Reise geht durch das Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. Gänsehaut kann man vom Anblick der dortigen Verhältnisse und den Berichten unseres Führers bekommen. Gleichzeitig wird einem ganz unwohl zumute im den beklemmenden und dunklen Kellerkomplex, sodass wir diesen Ort nach einigen Stunden dankbar und in nachdenklicher Stimmung verlassen. Eine willkommene Ablenkung ist das darauffolgende gemeinsame letzte Abendessen, bei dem alle zusammen bei einem Burger auf die vergangene Woche zurückblicken können.

Am nächsten Morgen geht es nämlich schon wieder mit gepackten Koffern zurück an den Bahnhof, wo gefühlt erst gestern die ganze Reise begonnen hat.

Aurelia Proskar (10b)